Weine des Burgund – Die Rückkehr des Titanen

Die Weine des Burgunds gehören zum Besten, was die Welt zu bieten hat. Weil die Spitzenqualitäten für gewöhnliche Sterbliche kaum noch zu finanzieren sind, lohnt auch ein Blick auf die kleineren Jahrgänge.

Seit ich das letzte Mal über die Weinregion im Osten Frankreichs schrieb, sind drei Jahre vergangen. Viel hat sich verändert in der Zwischenzeit bei Chardonnay und Pinot Noir in der Region um die Zentren Beaune und Nuits-St-Georges. Nicht, dass es weniger kompliziert geworden wäre, sich mit den Weinen der Region zu beschäftigen. Nach wie vor unterscheiden sich die Charakteristiken der Lagen und vor allem die Aus- und Anbaumethoden der Winzer auf höchst subtile Weise. Man ist aber wieder selbstbewusster geworden bei der Weinbereitung. Man schaut nicht mehr auf die Erfolge der Überseeweine, sondern besinnt sich auf die eigene Tradition und Qualität. Nirgendwo auf der Welt werden auf so engem Raum und nur von zwei Rebsorten so unterschiedliche und qualitativ außergewöhnliche Weine erzeugt.

Die Betriebe setzen heutzutage weit weniger neue Holzfässer ein – hier „Pièce“ genannt und mit einem Fassungsvermögen von 228 Litern ausgestattet. Dass einige Winzer für die großen Lagen Jahr für Jahr neues Holz einsetzen, ist die Ausnahme. Viele tauschen nur noch die verbrauchten Fässer aus. Nur noch zehn Prozent aller Holzfässer pro Jahr im Burgund sind neu. Auch der Grad der Toastung – also die Entstehung einer ge- oder verbrannten Schicht im Holz an der Innenseite des Fasses, die bei der Herstellung entsteht – wird verringert. So vermindern sich die Röstaromen vor allem beim Weißwein und kommen die natürlichen Inhaltsstoffe der Trauben ebenso wie die Besonderheiten der Wachstumsbedingungen im jeweiligen Weinberg stärker zum Tragen.

Die Herkunft der Trauben gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die unglaublich unterschiedlichen Lagen auf kleinstem Raum sind seit vielen Jahrhunderten bekannt. Vor allem die Zisterziensermönche erkannten schon vor Jahrhunderten diese Besonderheiten. Sie entwickelten ein komplexes Kartenwerk zur Unterscheidung der Lagen, das bis heute weitgehend Gültigkeit behalten hat. Diese Besonderheiten will man jetzt herausarbeiten.

Auch das Burgund wird vom Klimawandel nicht verschont. Einige Winzer erschließen deshalb höher gelegene Weinlagen: Sie wollen ihr Programm mit subtileren, eleganteren und alkoholärmeren Weinen erweitern. Wegen der Erwärmung rücken auch die mittleren, eher klassischen Jahrgänge ins Zentrum des Interesses vor allem großer Burgunderfreunde: Bei ihnen zeigen sich die Eleganz und die Feinheit des Burgunders besonders.

Die Weine aus überdurchschnittlich warmen Spitzen-jahren wie 1999, 2005 oder 2009 sind verständlicherweise dicht, konzentriert und langlebig. Zugleich hat die ausgiebige Reife den Weinen aber auch ihre Besonderheit genommen. Ergebnis: Die Eigenschaften der Rebsorten werden verwässert. Weine aus kleineren Jahrgängen wie 2004 oder 2007 sind früher trinkbar, trotzdem komplex und von einer lebendigen, spannungsgeladenen Art. Auch das gehört zu den Besonderheiten des Burgunders.

Hinzu kommen die exorbitanten Preise für Jahrgänge wie 2005 oder 2009. Normalsterbliche kommen kaum in den Genuss dieser Weine: Die sind meist schon vor der Verfügbarkeit ausverkauft und verschwinden in den Kellern betuchter Sammler oder sie werden viel zu früh getrunken. Liebhaber sollten sich deshalb nicht davon abhalten lassen, gezielt nach kleinen Jahrgängen Ausschau zu halten – von guten Erzeugern, versteht sich. Der Spaß ist in der Regel garantiert und der Geldbeutel wird geschont. So bleibt die Wahl des Winzers die erste Bedingung für die Kaufentscheidung. Seine Sorgfalt, Akribie und Leidenschaft sind hauptverantwortlich für den Stil und die Qualität der erzeugten Weine. Den immer noch wenigen  Frauen, die im Weinausbau tätig sind, kommt da nicht selten eine besondere Rolle zu: Sie scheinen den Pinot Noir auf eine ganz besondere Weise zu verstehen.

Manchen mag das besonders komplizierte Ordnungs-system nach Regional- (Bourgogne) und Ortsweinen (Chambolle, Pommard, Santenay …) nach Premier und Grand Cru, bei denen nicht einmal mehr der Herkunftsort verzeichnet wird, abschrecken. Nicht ohne Grund sprach man früher vom Burgunder als einem Wein, den man erst im Alter verstehe. Dabei eignen sich die Weine für jedes Trinkalter: Schon als Jungweine besitzen sie eine Geschmeidigkeit, einen Charme und eine Spannung, die der große Konkurrent aus Bordeaux erst nach vielen Reifejahren (oder -jahrzehnten) erreicht.

Vier Weingüter liegen an der Côte de Beaune, wo der Schwerpunkt auf  Weißweinen liegt; zwei mit hauptsächlich roten Weinen liegen an der Côte de Nuits. Dazu soll der Hinweis auf ein neues kleines Handelshaus in Savigny-lès-Beaune als Geheimtipp nicht fehlen.

Um Ihnen den Zugang zum Burgunder zu erleichtern, folgen Hinweise auf einige besonders empfehlenswerte Betriebe. Wie immer stehen Bewertungen zwischen einem Stern (*) und fünf Sternen (*****) für die Qualität der Weine in Bezug auf Charakter, Dichte und Ausgewogenheit, auf Komplexität und Lagerfähigkeit sowie auf die Geschmacks-entwicklung im Glas, die Länge des Geschmackserlebnisses und eine gewisse Besonderheit im Gesamtbild.

Die Bewertung der Weingüter fällt diesmal besonders hoch aus. Immerhin repräsentieren die Weine aus dem Burgund einen Qualitätsmaßstab, an dem sich alle Weine dieser Welt messen lassen müssen. Trotz aller Kritik, der sich die französische Weinwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren ausgesetzt sah, sind die Erzeugnisse des Burgunds in ihrer Vielfalt und Eigenständigkeit immer noch einmalig in der inzwischen sehr groß gewordenen Welt des Weines.

Die Weingüter
Domaine Leflaive
21190 Puligny-Montrachet
www.leflaive.fr

Sicher das bekannteste Weingut für Chardonnay aus dem Burgund überhaupt. Auf gut zwanzig Hektar
erzeugt man Weine auf vier Grand-Cru-Lagen (darunter eine Miniparzelle des sehr raren Montrachet), sechs Premier-Cru-Lagen und verschiedenen Dorflagen. Allein die Lagenvielfalt lässt aufhorchen: Die meisten Betriebe in Burgund überschreiten die Zehn-Hektar-Grenze nicht. Die Lagen sind im Wesentlichen um Puligny-Montrachet verteilt, mit einigen Enklaven in Chassagne-Montrachet und Meursault. Bewirtschaftet wird seit vielen Jahren biodynamisch. Das mag mit dazu geführt haben, dass die Weine hier auf exemplarische Weise Ausdruck der Lage sind. Batard-Montrachet, aber auch Les Pucelles sind eher kraftvolle Weine mit Körper und Intensität. Chevalier-Montrachet, Combettes und Folatières sind die eleganteren Vertreter mit viel Finesse und feinen Aromen. Der Montrachet verbindet schließlich beide Eigenschaften auf perfekte Weise.

Die Gelegenheiten, diesen Wein zu probieren, sind jedoch begrenzt: Es gibt nur wenige Flaschen und diese sind zu Schwindel erregenden Preisen schnell verteilt. Trauben aus dem Montrachet-Weinberg sind so begehrt, dass ein Kilo von ihnen für rund hundert Euro zu haben wäre. Das Angebot ist allerdings minimal, da die Lage nur acht Hektar umfasst und etwa dreihundert Hektoliter pro Jahr erzeugt. Aber schon der Puligny-Montrachet ist ein wunderbarer Wein mit großem Trinkvergnügen und komplexem Geschmack. Insgesamt wunderbar ausgewo-gene, feine Chardonnay mit einem Lagerpozential, das man sonst nur bei Rotweinen und Rieslingen vermuten würde.

**** 1/2

Domaine Sauzet
21190 Puligny-Montrachet

www.etiennesauzet.com

Am Ortsrand von Puligny liegt dieses unscheinbare Weingut, das von Gérard Boudot geführt wird. Auch hier ausschließlich Weißwein auf insgesamt neun Hektar. Seine besten Premier-Cru-Lagen sind Champ-Canet, der schon in der Jugend sehr gut zu trinken ist, und Les Combettes, der vielleicht noch etwas komplexer erscheint und seine wahre Qualität erst mit der Reife offenbart. Fein auch sein Chassagne, der in vierhundert Meter Höhe wächst und deshalb etwas kühler, ja strenger wirkt mit noch deutlicherer Mineralität, die man schon als Salzigkeit bezeichnen muss.

Grand Cru gibt es aus dem Batard und Chevalier-Montrachet von ebenso außergewöhnlicher Qualität und perfektem Ausdruck. Der Batard von dreizigjährigen Reben ist energiegeladen und wirkt bei aller Kraft nicht schwer. Der Chevalier ist mit mehr Frucht deutlich eleganter und mit einer tollen Länge schon jetzt recht zugänglich. Eine perfekte Kombination von Struktur und Finesse mit deutlicher Mineralität und – je nach Lage – intensiver Frucht oder eher floralen Noten.

Die Weine erschienen mir insgesamt noch etwas spannender und pikanter als bei Leflaive. Sie verbreiten ein Trinkvergnügen, das sich nicht so einfach beschreiben lässt. Die Weine begeistern die Sinne einfach; schließlich muss man aber auch nicht alles erklären können. Gérard Boudot ist ein zurückhaltender, aber doch leidenschaftlicher Winzer, der 2008 und 2009 optimale Weine erzeugt hat. Der Jahrgang 2009 kommt gerade in den Verkauf – man sollte sich beeilen.

*****

Domaine Simon Bize
21420 Savigny-lès-Beaune
www.domainebize.fr

Obwohl das Gros der dreiundzwanzig Hektar des Gutes mit roten Reben bepflanzt ist, genießen die Weißweine die größere Reputation. Leider sind die tollen Chardonnay von Simon Bize und Kellermeister Guillaume Bott in Deutschland kaum bekannt, dabei gibt es einen wunder-bar typischen Grand Cru Corton-Charlemagne: kraftvoll, trotzdem ausgewogen und charmant. Auch die Weißen aus der Lage Aux Vergelesses überzeugen mit Schmelz und rauchigen Aromen. Besonders gefiel ein einfacher Bourgogne Blanc Les Perrières, der in einer höheren Lage oberhalb des Ortes wächst und nur teilweise im Holz ausgebaut wird. Ein äußerst eleganter und feiner Chardonnay, der zudem noch günstig zu haben ist.

Trotzdem machen auch die Rotweine hier sehr viel Spaß. Am besten gefiel uns der Premier Cru aus der Lage Guettes in Savigny. Eine tolle Kirschfrucht überzeugt auf den ersten Schluck gepaart mit toller Struktur und einem unwiderstehlichen Charme. Größer und intensiver ist der Grand Cru aus der Lage Latricières-Chambertin. Das ist aber schon ein sehr komplexer, ja komplizierter Wein, der einige Jahre mehr an Reife benötigt. Die Stärke bei den Rotweinen sind hier die Dorflagen und Premier Crus mit ihrer unkomplizierten Art und einem direkten Zugang. Eine sympathische und unprätentiöse Domaine, die seriös arbeitet.

****

 

Domaine Joseph Voillot
21190 Volnay

www.joseph-voillot.com

Nachdem sich Joseph Voillot zur Ruhe gesetzt hat, ist Schwiegersohn Jean-Pierre Charlot für den Wein verantwortlich. Auf gut zehn Hektar in Pommard und Volnay wird hier größtenteils Rotwein produziert. Ein großer Schatz des Weingutes sind die alten Reben. Die jüngste Anlage ist fünfundzwanzig  Jahre alt, die älteste einundsiebzig! Ungewöhnlich ist auch, dass seit den Dreizigerjahren schriftlich festgehalten wurde, wann welche Parzelle womit bepflanzt wurde. Es gibt vier Premier Crus in Volnay und vier in Pommard, dazu noch jeweils eine Dorflage Pommard und Volnay aus alten Reben. Monsieur Charlot ist ein mächtiger Mann, was auf seine Weine abfärbt: Volnay, eigentlich ein Hort für Eleganz und Charme, wird hier mächtig und körperreich mit Notwendigkeit zur Reife. Der neunundsechziger Volnay Champans, den wir zum Abschluss trinken durf-ten, zeigte wunderschöne Reife und Ausgewogenheit. Er war geschmacklich auf dem Höhepunkt, jedoch hielten alle Teilnehmer der Degustation den Wein für zehn bis  fünfzehn  Jahre jünger.

Großartig Charlots Pommard Clos Micault, der Kraft mit Finesse verbindet und sehr viel Charme besitzt. Leider gibt es aber weniger als sechshundert Flaschen pro Jahr. Sein bester Wein ist vielleicht der Pommard Rugiens mit süßer Frucht, Üppigkeit und Schmelz in bester Harmonie. Hinzu kommt, dass die Weine sich im bezahlbaren Rahmen halten. Allerdings sind sie auf dem deutschen Markt nur schwer erhältlich; man kann aber, eher ungewöhnlich bei den guten Weingütern in Burgund, auf dem Weingut kaufen.

*** 1/2

 

Domaine du Comte Armand
21630 Pommard

www.domaine-comte-armand.com

Comte Armand ist schon ein großer Name in Burgund. Das gilt erst recht, seit der junge Benjamin Leroux Gutsdirektor ist und den klassisch mächtigen Weinen mehr Finesse verliehen hat. Auf neun Hektar werden fast ausschließlich Rotweine aus Lagen in Volnay, Pommard und Auxey-Duresses produziert. Traditionell arbeitet man hier mit viel Handarbeit und legt großen Wert auf die Erforschung der Boden- und Klimaverhältnisse im Weinberg. Konsequenterweise ist man inzwischen zur biodynamischen Produktionsweise übergegangen.

Schon ausgezeichnet die beiden Roten aus Auxey-Duresses. Gerade die etwas weniger begünstigten Lagen profitieren, wie uns Monsieur Leroux versichert, von warmen Jahren wie 2009. Aus Volnay ebenfalls zwei Weine, wobei der Frémiets mit dichter Struktur und feiner Frucht überzeugte. Er steht dem wichtigsten Wein der Domaine, dem Pommard Clos des Epeneaux, kaum nach. Dieser Wein, dessen Lage im Alleinbesitz von Comte Armand ist, gilt als die vielleicht beste Lage in Pommard. Sie wird in vier Parzellen produziert, die separat ausgebaut werden. Nur die besten Fässer werden für den „Grand Vin“ verwendet, die anderen auch hervorragenden bereichern den Pommard Premier Cru.

Das Besondere an diesem Wein ist, dass er die typische Rustikalität der Roten aus Pommard vermeidet und samtige, ausgewogene Weine ergibt, aber ein mächtiges Tanningerüst besitzt und für eine lange Reifung gemacht ist. Das Alter der Reben von fünfundfünfzig Jahren und der schonende An- und Ausbau sind dafür wohl die Garanten.

****

Domaine Anne Gros
21700 Vosne-Romanée
www.anne-gros.com

Endlich kommen wir zu einer Frau, die zeigen kann (und auch zeigt), dass sie ein besonderes Händchen für die Erzeugung großer Pinot Noirs hat. Auf sechseinhalb Hektar erzeugt die Mittvierzigerin größtenteils Rotweine aus zwei sehr guten Dorflagen und drei Grand Crus. Hinzu kommt ein Rotwein aus den höher gelegenen Reben der Hôtes Côtes de Nuits mit besonders feiner Ausprägung. Obwohl man angibt, traditionell zu arbeiten, wird noch recht viel neues Holz verwandt – bis zu achtzig Prozent bei den Grand Crus. Das funktioniert sehr gut, die Weine brauchen dann aber ein paar Jahre, um das Holz zu „verdauen“.

Schon sehr gut der Chambolle-Musigny aus der Lage La Combe d’Orveaux, ein feiner Wein mit prägnanter Kirschfrucht. Noch konzentrierter und kompletter der Vosne-Romanée aus der Lage Les Barreaux von siebzig- bis achtzigjährigen Reben. Schließlich noch drei Grand Crus. Der Reigen beginnt mit dem Echezeaux, der 2007 nach einer Verpachtung wieder dazugekommen ist. Er zeigt eine süße Frucht mit ausgewogener, feiner Art. Dieser Weinberg im Clos Vougeot, der auf eine Anpflanzung im Jahre 1904 zurückgeht, muss immer als erster geerntet werden. Trotz der notwendigen Nachpflanzungen hat die Anlage ein Durchschnittsalter von sechzig Jahren. So ist sein Wein auch warm, kraftvoll und dicht mit klarer Frucht und Eleganz.

Der größte Wein kommt aus dem Richebourg, sicher eine der fünf bis sechs größten Weinlagen an der Côte de Nuits. Der Wein tanzt förmlich auf der Zunge und ist trotz aller Kraft und Komplexität äußerst elegant – ein wahrer Festtagswein. Insgesamt sehr weiche, fruchtbetonte Weine ohne harsches Tannin – eben feminin.

Auf dem Weingut einige hübsch eingerichtete Ferien-wohnungen mit toll ausgestatteter Küche.

**** 1/2

Domaine Jacques Frédéric Mugnier
21220 Chambolle Musigny
www.mugnier.fr

In puncto Rotwein war dies der absolute Höhepunkt der Reise. Schon der Name des Weingutes – Château de Chambolle-Musigny – verheißt Außergewöhnliches. Mugnier ist Autodidakt und musste sich, nachdem er das Erbe übernommen hatte, mit dem Weinbau beschäftigen. Vielleicht sind seine Weine deshalb so besonders, da er keinerlei Traditionen oder Vorprägungen folgen musste. Darüber hinaus entscheidet Mugnier viel aus dem Bauch heraus – ein Gefühl, das ihn nur selten zu täuschen scheint. Für ihn sind seine Weine Ausdruck des Bodens, auf dem sie wachsen, und nicht die Konstruktion des Winzers. Die Weine von vierzehn Hektar Rebfläche sind sicherlich das Eleganteste und Feinste, das man zurzeit in Chambolle und Umgebung finden kann. Mugnier konkurriert stets mit den beiden anderen berühmten Betrieben im Ort: Comte de Vogüé und Christophe Roumier.

Schon Mugniers einfacher Chambolle-Musigny ist großartig. Eine Cuvée aus zwei Lagen mit einem Anteil von fünfzig Prozent Premier Cru, was nicht auf den Etiketten vermerkt ist. Sehr gut ist Les Fuées. Eines Grand Cru würdig wäre Les Amoureuses – wie der Name schon sagt, ein Wein, dessen Charme und Ausdruck man sich nicht entziehen kann. Dazu zwei Grand Crus: Der Bonnes Mares ist immer etwas fester und strukturiert. Im Musigny ist der Höhepunkt des eleganten Burgunders verkörpert: Er ist sehr präsent, scheint dabei die Zunge aber gar nicht zu berühren. Vielschichtig, ausgewogen, charmant, lang anhaltend – man kann den Charakter dieses Weins kaum in Worte fassen.

In Nuits Saint Georges gibt es noch eine zehn Hektar große Monopollage Clos de la Marechale Premier Cru, von dem Mugnier auch untypische, ungewöhnlich weiche Rotweine erzeugt. Besonderen Ausdruck haben die Weine aus den kleineren Jahrgängen: 2007, 2008 und 2010 sind großartig und auch jetzt schon zu verstehen. 2009, der große Jahrgang, ist dagegen sehr tanninlastig und verschlossen. Hier wird erst die Zeit zeigen, welche Qualität vorhanden ist.

*****

Maison Chanterive Tomoko Kuriyama &
Guillaume Bott
21420 Savigny-lès-Beaune

Geradezu als Geheimtipp betrachte ich ein neues kleines Handelshaus in Savigny, das seine Weine erstmals Ende 2011 auf den Markt bringen wird. Die Weine reifen derzeit noch im Fass, sind aber sehr vielversprechend. Im Nebenerwerb wollen die aus Japan stammende Tomoko Kuriyama und der ortsansässige Guillaume Bott gute Weine erzeugen. 2010 wurden die Trauben größenteils gekauft, man hat sich aber auch schon den Zugriff auf einige Rebflächen gesichert. Es wird geben: Bourgogne Blanc, Meursault, Chassagne-Montrachet Morgeot und Bourgogne Rouge und Chasagne-Montrachet Rouge. Die Verkostung vom Fass war sehr vielversprechend – wir sind auf die Ergebnisse sehr gespannt.

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