Restaurant Tokara – Stellenbosch, S.A.

Ein Muss auf jeder Südafrika-Reise

Mehrere Farmen auf insgesamt 120 Hektar mit Weinbergen in teilweise bester Lage – das ist Tokara. 2002 wurde das Hauptgebäude fertiggestellt, und dorthin führen sechs schlagende Argumente: 1) Die herausragende Architektur. Tokara ist ein Meisterstück von GT Ferreira. 2) Der atemberaubende Blick über die False Bay und Stellenbosch. 3) Die preisgekrönten Weine von Tokara, die im Verkostungsraum probiert werden können. 4) Die hauseigenen Olivenöle, die ebenfalls im Tasting Room gekostet und gekauft werden können. 5) Die ausgestellte Kunst. 6) Das Restaurant und die Bar.

Tokara zählt zu den bekanntesten Restaurantadressen Südafrikas, war von Eat Out im Herbst letzten Jahres als Top Ten-Restaurant nominiert und wird dort momentan unter den Top 20 geführt. Küchenchef seit 2010 ist Richard Carstens. Unbedingt seinen Springbock als Hauptgang bestellen, das war uns ans Herz gelegt worden – ein Tipp, den wir gern weitergeben.

Nicht zu verfehlen ragt das Gebäude imposant im Dunkeln über die Weinberge hinaus. Im Tageslicht betrachtet, passt es sich in die Natur ein. Wie fast überall außerhalb von Kapstadt steht ein großer Parkplatz zur Verfügung. Im Inneren führt der Weg zum Restaurant, einem Museum ähnlich, an Skulpturen und Bildern vorbei. Dazwischen ein Gang mit riesiger Fensterfront, dahinter liegt, in violettes Licht getaucht, die Winery. An einer langen Bartheke vorbei geht‘s ins Restaurant. Ein großes Schaufenster gibt den Blick frei auf eine hochmodern ausgestattete Küche, in der zahlreiche Köche konzentriert und sauber werkeln.

Der größere der beiden Restauranträume ist bereits gut mit Gästen gefüllt, als wir eintreffen. Leger gekleidete Esser in Poloshirt und Pullover an Holztischen ohne Tischdecken. Hier und da hängt eine Jacke über der Stuhlrückenlehne, ein Krawattenträger würde „overdressed“ herausstechen. Mittellautes Stimmengewirr, ein Raum, in dem man sich auf Anhieb wohlfühlt. Dazu trägt auch das gute Miteinander der Service-Mitarbeiter bei, das sich im Laufe des Abends beobachten lässt. Zum Tisch begleitet werden wir von einer jungen Dame namens Keila. Später werden wir nachfragen, warum sie so gut Deutsch spricht. Bis dahin haben wir uns gegenseitig schon mehrmals zum Lachen gebracht, und dann wird sie uns erzählen, dass ihre Familie in zweiter Generation in Südafrika lebt.

Tokara ist ein Restaurant, in dem es viel zu schauen gibt. Einerseits ist da der spektakuläre Blick aus den beiden Fensterfronten, einer auf das Lichtermeer von Stellenbosch. Aufgereiht an den Fensterfronten stehen jeweils halbrunde Zweiertische. Als hätte man einen runden Tisch in der Mitte durchgeschnitten und zwei aus ihm gemacht. Im Rauminneren sind die größeren Tische platziert, Gruppen sind gewöhnlich mehr mit sich beschäftigt als Paare. Südafrikanischen Gästen, das haben wir auch in den anderen Restaurants beobachten können, macht es offensichtlich nichts aus, keine Wand im Rücken zu haben – mitten im Raum zu sitzen. Undenkbar in Deutschlands Spitzenrestaurants. Die glatte Kante der halbrunden Zweiertische ist nah an die Scheibe gerückt, davor an der Halbkreiskante stehen jeweils zwei der blau gepolsterte Stühle, in deren Rückenlehne – nette Idee – großflächig der Name einer Traubensorte eingeschnitzt ist. Ich nehme auf „Riesling“ Platz, meine Freunde auf „Sauvignon Blanc“, „Chardonnay“ und „Cabernet Sauvignon“.

Die Karte bietet fünf Vorspeisen an. „Tatar vom Rind mit Sush-Reis“ und „Regenbogenforelle mit Soba-Nudeln“ sind für umgerechnet 5,95 Euro die teuersten Gerichte. Der empfohlene Springbock steht mit Karotten-Ingwer-Püree zu 11,55 Euro auf der Karte; teurer ist keines der ebenfalls fünf Hauptgerichte. Empfehlenswert sind die Desserts (4,20 Euro). Ebenso günstig wie die Speisen sind die Weine kalkuliert. Tokara bietet aber nicht nur die eigenen Weine an, sondern das Beste aus Südafrika und auch einige ganz große Bordeaux – zu Preisen, für die sie in Deutschland nicht im Handel gekauft werden können.

Für die geschätzt 80 Gäste müssen die Service- Mitarbeiter ganz schön viel und schnell laufen. Da fragt Keila auch schon mal mit den Tellern in der Hand am Tisch nach, welches Gericht für wen ist. Was aber hier niemanden stört, es passt in die zwanglose Atmosphäre. Außerdem überzeugt Keila mit ihrem ganz besonderen Charme. Die Ansage zum Amuse gueule beginnt sie beispielsweise mit „Wir beginnen mit dem Intermezzo“, und als wir alle darüber lachen, ergänzt sie „wie schön, dass Sie mir so gut zuhören“. Man kann geteilter Meinung darüber sein, was im Service wichtig ist. Perfekt korrekter Service, immer unauffällig, wird für sich kaum bemerkt, weil er eben so unauffällig ist. Wenn er es aber darüber hinaus versteht, die Gäste angenehm zu unterhalten, dann spielt er in der Königsliga. Ließe man Gästen jedoch die Wahl, von einer Keila oder einem „unsichtbaren“ Kellner bedient zu werden, würden die meisten vermutlich Keila bevorzugen.

Text: UTA BÜHLER

Helshoogte Pass
Stellenbosch
7599, South Africa
www.tokara.co.za
Telefon: 0027(0)21 885 2550

© STERNKLASSE-Magazin 2014