SO HANDELT DER SOUVERÄNE GASTGEBER IM RESTAURANT

1a
Selbstverständlich reservieren Sie telefonisch im Voraus. Ob für zwei oder sechs Personen, das Restaurant könnte ausgebucht sein. Ohne Reservierung läuft man Gefahr, abgewiesen zu werden. Und für das beste Restaurant der Stadt gibt es keine Alternative um die Ecke. 

2a
Auch wenn Sie Ihre Gäste gut kennen, sogar mit ihnen seit langen Jahren befreundet sind: Allergien können von heute auf morgen auftreten.  

3b
Ein wirklich gutes Restaurant lässt sich auch daran erkennen, dass es ab sechs Personen nur ein gemeinsames Menü serviert. Dass es damit den unterschiedlichen Garzeiten der Speisen und Ihrem hohen Qualitätsanspruch Rechnung trägt, wissen Sie als Kenner zu schätzen. Im Restaurant Ihres Vertrauens folgen Sie der Empfehlung des Küchenchefs. Bei der Menüabsprache nennen Sie selbstverständlich die erfragten Lieblingsgerichte und auch die Unverträglichkeiten Ihrer Gäste. 

4a
Als echter Profi rufen Sie selbstverständlich am Vortag oder am Besuchstag selbst noch einmal an. Das bietet den Vorteil, vom Restaurant tagesaktuell Besonderes angeboten zu bekommen, und die doppelte Sicherheit, dass der Tisch fest für Sie reserviert ist – es sollen schon Reservierungstermine vertauscht worden sein – und dass alle Wünsche notiert sind.

5a
Als aufmerksamer Gastgeber platzieren Sie Ihre Gäste nach einer wohlüberlegten Sitzordnung. Die haben Sie im Kopf oder mit am Tisch liegenden Namenskärtchen vorbereitet. So vermeidet man für bereits sitzende Restaurantgäste die „bedrohliche“ Situation, dass sich neben ihnen eine Gruppe Menschen wie eine Mauer aufbaut. Und man verhindert das als unangenehm empfundene Herumstehen der eigenen Gäste, die nicht wissen, welcher Platz für sie vorgesehen ist. 

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Der perfekte Gastgeber trägt Sorge, seine Gäste in Empfang zu nehmen. Sie treffen selbstverständlich grundsätzlich eine Viertelstunde vor Ihren Gästen im Restaurant ein. Das gibt Ihnen auch die Gelegenheit, einen Blick auf den vorbereiteten Tisch und die Menükarten zu werfen sowie gegebenenfalls vorbereitete Platzkärtchen oder Gastgeschenke an ihren Platz zu legen.

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Sobald die ersten Gäste eintreffen, beginnt die Zeit des Aperitifs. Ein verspätetes Eintreffen von Gästen währenddessen werden Sie als perfekter Gastgeber nicht kommentieren. Treffen Nachzügler mit einer Verspätung von mehr als zwanzig Minuten ein, wird der perfekte Gastgeber – seine Gastgeberpflicht gegenüber den Anwesenden wahrnehmend  – das Menü beginnen lassen. Sie warten nicht darauf, vom Service gefragt zu werden, wie man es handhaben soll, wenn die noch fehlenden Gäste eintreffen. Sie informieren von sich aus und unmerklich für alle Gäste am Tisch, das Menü der Verspäteten mit dem Gang, der nach ihrem Platznehmen als nächster folgt, zu beginnen. (Die Verspätung, egal wie entschuldbar, ist  Zuspätkommenden selbst am unangenehmsten und sie wollen nicht Grund für weitere Störungen sein.) In seltenen Ausnahmefällen, nur dann, wenn Sie einen ganz besonderen Grund haben, auf die Nachzügler zu warten, werden Sie die Wartezeit entsprechend überbrücken (lassen). 

8a, 8b, 8c
Hier kann jede Antwort die richtige sein. Gibt es etwas zu feiern? Dann wird ein dem Anlass angemessener Jahrgangs-Champagner die beste Wahl sein. Manche Menschen haben für die ganz besonderen Momente  im Leben ihren „Dom Perignon“ oder ihren „Krug“. Sitzt James Bond mit an Ihrem Tisch oder unser ehemaliger Wirtschaftsminister, dann werden Sie diese Gäste keinesfalls auf Martini-Cocktail und Gin Tonic verzichten lassen. Und dem Sommelier des besten Restaurants am Platz kann und sollte man Vertrauen entgegenbringen, deshalb kann es nicht falsch sein, wenn Sie ihn bitten, Ihren Gästen etwas zum Auftakt zu empfehlen.

9a
Viele Gründe sprechen dafür, den Wein für eine Gruppe von sechs Personen vor dem Restaurantbesuch mit dem Sommelier abzusprechen. Beispielsweise wenn Sie einen Wein wählen wollen, der eine besondere Behandlung benötigt und Stunden im Voraus geöffnet werden muss. Oder wenn es Ihnen Freude macht, mit einem Fachmann über Wein zu diskutieren, Ihre Gäste aber langweilen würde. Auch wenn Sie selbst wenig von Wein verstehen, kann das ein Grund sein. Und: Wenn Sie den Wein im Voraus bestimmen, können Sie für Ihre Gäste „komplette“ Menükarten bereitstellen lassen, die gern als Erinnerung mitgenommen werden.

10a
Der perfekte Gastgeber weiß jeden Akt, der nicht zum Genuss-Erlebnis seiner Gäste beiträgt, von diesen fernzuhalten. Er hat entweder im Voraus vereinbart, dass ihm die Rechnung zugeschickt wird, oder er erledigt das Bezahlen im Hintergrund, wofür er sich am Ende des Abends für den Moment unmerklich vom Tisch entfernt.

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