Gebt dem Restaurant-Service Möglichkeiten, aktiv kreativ zu sein

It's Show Time - Service in der Résidence

„Blickt jetzt alle bitte einmal ganz cool in die Kamera“, hatte Fotograf Bernd Ahrens uns zugerufen, bevor er abdrückte. Machten wir natürlich, obwohl wir vielleicht lieber gelacht hätten. Viel gelacht wurde dennoch an dem Abend mit dem Motto „It’s Show Time“ – und so bleibt dieses Bild eines meiner Lieblingsbilder aus alten Résidence-Restauranttagen.

Themen- und Mottoabende machen das Restaurant zur Bühne

Auch andere Themen-Dinner wie „Gartenparty mit Hut“, „Tester-Alarm“, „Anwalt Süßwein gegen Anwalt trockener Wein“ oder „Heute sind unsere Koch- und Restaurantfach-Azubis die Chefs“ waren echte Highlights. Da das Tranchieren und Flambieren aus der Mode gekommen war, ließen wir uns solche Feste einfallen, um unsere Gäste zu entertainen, aber vor allem: um im Service die Begeisterung wach zu halten. Mittlerweile sind auch Käse- und Dessertwagen größtenteils ausrangiert. Was hatten alle Beteiligten – Gäste wie Mitarbeiter –  in den 1980er-Jahren einen Spaß mit dem Signature Dish von Hans-Peter Wodarz. Seinen berühmten „Dialog der Früchte“ übernahmen und interpretierten fast alle Restaurants, auch wir. Für die Zukunft wünsche ich mehr solcher Ideen aus deutschen Küchen, die Leben und Lachen in die Restaurants zurück bringen. Denn  daran fehlt es.

Zu wenig Service-Mitarbeiter – Ursache oder Wirkung?

Der Restaurant-Service ist heute oft unterbesetzt, weil sich nicht genügend Service-Mitarbeiter mehr finden. Vielleicht finden sich aber auch gerade deshalb immer weniger Service-Mitarbeiter, weil sie sich nicht mehr kreativ entfalten können. Das Restaurant ist eine Bühne, wer den Gastgeber-Beruf wählt, der will nicht nur Teller an den Tisch bringen und aufzählen, welche Bestandteile das servierte Gericht hat, dann ausheben, nachdecken, einschenken und wieder von vorn. Gastgeber wollen ihre Gäste begeistern, ob daheim oder im Restaurant. Ein paar außergewöhnliche Service-Leistungen  folgen – und ich würde mich freuen, wenn Sie, lieber Leser, Ihre Erlebnisse oder Wünsche auf Facebook in den Kommentaren hinterlassen oder an meine E-Mail buehler@sternklasse.de senden würden.

Beispiele für außergewöhnliche Service-Leistungen

Großartig ist, wenn man im Restaurant als ausländischer Gast einen muttersprachlichen Kellner zur Seite gestellt bekommt. So erlebt bei Alain Ducasse in Paris wie in Monaco und im The Janes in Antwerpen.

Wunderbar, wenn der Kellner die Bestecke – ohne darauf angesprochen – für einen Linkshänder passend eindeckt.

Ein Masterpiece findet sich in „Meine Kunst in Küche und Restaurant“ von Alfred Walterspiel (1881-1960), der 1922 das Hotel Vier Jahreszeiten München erwarb und mit seiner Kochkunst zu einer der führenden Adressen in Europa machte. Neben dem weltberühmten Restaurant Walterspiel konnten Gäste auch einen der privaten Salons über dem Restaurant zum Diner anmieten. Dort führte eines Tages eine Unachtsamkeit dazu, dass ein Ehepaar in zwei nebeneinander liegenden Séparées untergebracht wurde. In dem einen dinierte Frau Geheimrat mit einem jungen Schauspieler, in dem anderen der Herr Geheimrat in charmanter weiblicher Begleitung. Im Laufe des Abends verlangte  Frau Geheimrat unverzüglich nach Herrn Walterspiel. „Sie glaubt, im Nebensalon ihren Mann gehört zu haben“, trug Oberkellner Luckmann das Verlangen der Dame vor. Walterspiel eilte zu der Gnädigsten und löste das Problem folgendermaßen: „Soeben hat mich Ihr Gatte rufen lassen und behauptet, er habe seine Frau lachen gehört.“ Diese kleine Lüge wirkte unverzüglich. Innerhalb von fünf Minuten war Frau Geheimrat verschwunden und Walterspiel behielt Mann und Frau Geheimrat  als Stammgäste.

Ein anderes Masterpiece für exzellenten Service erlebte ich im Hotel Nassauer Hof in Wiesbaden. Dort hatte ich bei der Anreise meinen Wagen dem Wagenmeister übergeben. Auf dem Leder des Fahrersitzes klebte ein eingetrockneter Kaugummi, um den ich mich seit Wochen hatte kümmern wollen. Bei der Abreise war der Kaugummi verschwunden. „Wir haben uns erlaubt, auch im Inneren ein wenig sauber zu machen.“

Jetzt sind Sie/seid Ihr dran. Nur zu! Ich freue mich auf viele Erlebnisse und Wünsche.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Uta Bühler